Heimleiter Johann Weiss erklärt den Schülerinnen und Schülern der Wirtschaftsschule die Philosophie des St. Elisabethenheims Heimleiter Johann Weiss erklärt den Schülerinnen und Schülern der Wirtschaftsschule die Philosophie des St. Elisabethenheims

„Hallo Leben“ – „Sinnvoll leben“
Schülerinnen und Schüler der Wirtschaftsschule Deggendorf besuchen das Städtische Elisabethenheim

Vergangene Woche besuchte die 8. Jahrgangsstufe der Wirtschaftsschule Deggendorf im Rahmen des Ethikunterrichts das Städtische Elisabethenheim Deggendorf. Das Elisabethenheim ist eine Pflegeeinrichtung, die 96 Bewohnerinnen und Bewohnern Platz bietet. Nachdem uns der Heimleiter Johann Weiss zuerst allgemeine Informationen zum Heim erläuterte, schilderte er anschließend für ihn wichtige Pflegegrundsätze. Dabei betonte er, dass die Würde des Menschen auch im Heim unantastbar ist. Deshalb wird jeder Bewohnerin und jedem Bewohner der entsprechende Respekt entgegengebracht. Sei es beispielsweise das Anklopfen, bevor man in deren Zimmer eintritt oder das Herunterbücken um mit einem Bewohner auf Augenhöhe zu kommunizieren. Mit dem Spruch „Sich freuen ist keine Frage des Alters“ verdeutlichte Weiss, dass den Bewohnerinnen und Bewohnern jeden Tag Freude im Leben gegeben werden soll. Auch wenn bei manchen aufgrund einer Krankheit der Verstand „Kapriolen schlägt“ bleibt ihnen die Freude, welche bei diesen umso echter ist. Auch die Selbstständigkeit, soweit es die jeweilige Einschränkung der Bewohner zulässt, sei sehr wichtig. Es bekomme zum Beispiel jeder, der es wünscht, sein Taschengeld mit dem er sich im Heimkiosk oder in der Stadt etwas kaufen, es verschenken oder aufbewahren kann. Zur Selbstständigkeit und Freude gehört auch folgender Grundsatz: „Sich wohlfühlen ist mehr als gut versorgt zu werden …“. Dies bestätigte auch die Heimvorsitzende Rosemarie Fritze, die sich mit ihren 70 Jahren in die Runde der Schülerinnen und Schüler gesellte und aus dem Leben im Heim berichtete. Neben dem Bilderband „Rückblick 2016“ und den Erzählungen von Rosemarie Fritze, konnten sich die Jugendlichen einen ersten Eindruck verschaffen, was den Bewohnerinnen und Bewohnern im Heim an Aktivitäten rund um den Tag geboten wird.
Jung und Alt auf AugenhöheJung und Alt auf Augenhöhe

Nachdem die Fragen der Schülerinnen und Schüler ausführlich beantwortet wurden, durften sie den Alltag im Heim live erleben. Weiss gab eine Führung durch das Elisabethenheim und konnte so die Umsetzung der Pflegegrundsätze verdeutlichen. Den Schülerinnen und Schülern begegneten auf dem Gang viele strahlende Gesichter. Die meisten der Bewohnerinnen und Bewohner hielten sich in den Gemeinschaftsräumen oder auf den Gängen auf und begrüßten uns freundlich – „es lebte und menschelte“. Rosemarie Fritze berichtete, dass die Bewohnerinnen und Bewohner sich gegenseitig helfen. Sie spiele beispielsweise mit anderen Bewohnern mit einem Ball und führe mit ihnen täglich längere Gespräche. Dies trägt dazu bei, dass sie alle eine große Gemeinschaft bilden, in der man sich wohlfühlt.
Zu Beginn des Besuchs waren die Jugendlichen noch etwas zurückhaltend. Diese Zurückhaltung wich aber immer mehr und so unterhielten sich die Schülerinnen und Schüler am Ende des Besuchs angeregt und intensiv mit einigen Bewohnerinnen und Bewohnern.
Im Vorfeld wurde im Ethikunterricht das Thema „Sinnvoll leben“ durchgenommen. Die Schülerinnen und Schüler sollten vielfältige Möglichkeiten erkennen, ihrem Leben Sinn zu geben. Im Unterricht wurde dies diskutiert und sie erkannten, dass sich ihre Leben beispielsweise durch Liebe, Familie, Freundschaft oder soziales Engagement sinnvoller gestalten lässt. Letzteres soll nun anschließend an den Besuch in einem gemeinsamen Projekt aufgegriffen werden. Weiterhin soll der Unterrichtsgang in das Elisabethenheim den Jugendlichen verdeutlichen, dass das Leben im Heim sehr wohl sinnvoll sein kann.
Zudem ist eine weitere Zusammenarbeit beim nächsten Themenblock geplant. „Grenzen im Leben verstehen“ beinhaltet das Sprechen über den Tod. Dazu wird Frau Kuhn, die im Heim als Sterbebegleiterin arbeitet, an die Wirtschaftsschule eingeladen.
Insgesamt konnte man das Interesse beider Seiten beobachten, was Jung und Alt einander näher brachte.

Von StRin A. Schützeneder